Vorhaben

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11. Führen wir eine Quote für ostdeutsche Führungskräfte ein
Auf den ersten Blick erscheint die Idee ein bisschen verrückt: eine Quote, die dafür sorgt, dass mehr...

Auf den ersten Blick erscheint die Idee ein bisschen verrückt: eine Quote, die dafür sorgt, dass mehr Ostdeutsche in Chefetagen sitzen. Wie Frauenquote, nur mit Ostdeutschen. Aber warum eigentlich nicht?

17 Prozent der Deutschen sind Ostdeutsche, trotzdem besetzen sie nur 1,7 Prozent der bundesweiten Führungsposten. Bundesrichter, Generäle oder Abteilungsleiter in Regierungen stammen so gut wie nie aus der DDR. Und sogar in Ostdeutschland selbst stammen vier von fünf Chefs aus dem Westen. Die Schieflage entstand, als zu Wendezeiten der Staatsapparat der DDR gegen den der BRD ausgewechselt wurde. Gleichzeitig verleibte sich die westdeutsche Industrie fast sämtliche ostdeutsche Betriebe ein. Die Belegschaft einer sächsischen Brauerei durfte weiterarbeiten, nur war ihr Chef jetzt ein Unternehmer aus Braunschweig. Und diese Dominanz wird sogar weitervererbt. Untersuchungen von Leipziger Soziologen zeigen, dass Chefs meistens als ihren Nachfolger Personen auswählen, die ihnen kulturell ähnlich sind. Westdeutsche Chefs geben ihre Posten wieder an andere Westdeutsche ab.

Seit einigen Monaten ist die Mauer, die Deutschland trennte, länger Geschichte, als sie Realität war. Und je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es auch, die Frage zu beantworten, wem eine Ost-Quote überhaupt zustehen sollte. Wer gilt, fast 30 Jahre nach der Wende, noch als „Ossi“? Die Magdeburgerin, die als Kind mit ihrer Familie nach München gezogen ist? Oder die gebürtige Hamburgerin, die seit 20 Jahren in Chemnitz lebt und arbeitet? Dazu brachten noch die Neunziger- und die Nullerjahre Generationen hervor, die zwar nie in der DDR gelebt haben, sich aber heute als ostdeutsch identifizieren. Warum sollten sie keinen Anspruch auf die Quote haben? Vielleicht muss man zunächst umgekehrt fragen, ob die Ostdeutschen überhaupt per Gesetz in die Chefetage wollen. Oder, ob sie es nicht besser aus eigener Kraft schaffen sollten.

eingereicht am Di. 19. Juni 2018
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    Frank Richter musste in den letzten Jahren viel über den Osten nachdenken. Denn er war Chef der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, als der Aufstieg von Pegida begann. Mit „Hört endlich zu!” hat er einen der spannendsten Debattenbeiträge zur politischen Lage Deutschlands geschrieben. Er zeigt darin, welche Fehler wir im Umgang mit Pegida begangen haben. Und warum die Erfahrungen der Ostdeutschen mehr Beachtung verdienen. Wir veröffentlichen einen Auszug.

    Artikel von Frank Richter auf krautreporter

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